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Ein unproblematisches Anhören unserer Platten ist unter
www.amazon.de
und - sehr empfohlen - www.allmusic.com möglich.


PRÄSENTIERT:


Anfang September 2009 erscheint unsere "once in a lifetime"-Veröffentlichung:

VARIOUS ARTISTS: ROCKSTEADY - THE ROOTS OF REGGAE
Ein Film und Album-Projekt



Jetzt auch im Kino:
Rocksteady - The Roots of Reggae

16.09.2010 - 22.09.2010
Köln, Filmpalette

26.08.2010 - 27.08.2010
Hannover, Kino im Sprengel

19.08.2010 - 25.08.2010
Leipzig, Cinematheque

12.08.2010 - 18.08.2010
München, Werkstattkino

12.08.2010 - 13.08.2010
Hannover, Kino im Sprengel

29.07.2010 - 04.08.2010
Düsseldorf, Bambi

29.07.2010 - 04.08.2010
Berlin, Kino in der Brotfabrik

29.07.2010 - 03.08.2010
Bamberg, Lichtspiel

29.07.2010 - 04.08.2010
Hamburg, Abaton

29.07.2010 - 04.08.2010
Berlin, Eiszeit

22.07.2010 - 22.07.2010
Köln, Odonien Open-Air
PREVIEW

14.07.2010 - 14.07.2010
Hamburg, Abaton
PREVIEW

Näheres unter www.rapideyemovies.de/kinospielplan


Die sechzehnte Veröffentlichung von Moll-Selekta entstand im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Film, einer wunderbaren und herzerwärmenden Hommage an die goldene Rocksteady-Ära. Sie zeigt die Aufnahmen des vorliegenden Albums in den Tuff Gong Studios in Kingston / Jamaika im April 2008, präsentiert die originalen Sänger/innen und Musiker und erzählt ihre Geschichte. Ausschnitte eines Live-Events dieser All Star-Riege im Zuge eines Reunion-Konzerts in Kingston und einiges authentisches, altes Filmmaterial komplettieren die Dokumentation. Nie gab es in der Historie Jamaikas, das, immerhin einzigartig auf der Welt, mit einem eigenen Sound einen festen Platz in der westlichen Popmusik eroberte, eine solch kompetente Zusammensetzung von Musikern.

Das Album präsentiert 15 alte Rocksteady-Klassiker in großartigen und tief inspirierten neuen Versionen, die in dem Studio aufgenommen wurden, in dem auch schon Bob Marley seine Alben produzierte. Alle neu aufgenommenen Songs sind mit natürlichen Instrumenten eingespielt worden, um den alten Rocksteady-Stil exakt nach zu empfinden. Unter der musikalischen Leitung von Ernest Ranglin, der als Gitarrist nicht nur in der Reggae-, sondern auch in der Jazzszene einen ausgezeichneten Ruf genießt, mixte Tontechnikerlegende Errol Brown – er arbeitete schon in den 60er Jahre unter Duke Reid im Treasure Isle Studio- die von Lynn Taitt ausgearbeiteten neuen Arrangements. Lynn Taitt – neben Ernest Ranglin der bekannteste Gitarrist und Bandleader Jamaikas in den 60er Jahren – konnte aus gesundheitlichen Gründen die musikalische Leitung leider nicht mehr übernehmen.

Rocksteady markiert in der jamaikanischen Musikgeschichte zeitlich nur einen kurzen Abschnitt, der grob von 1966 bis 1968 reicht, der den schnellen, vorwiegend instrumentalen Ska der ersten Jahre in den Sixties ablöste und durch die Betonung auf den Bass, feinere Melodieführung und den jetzt in den Vordergrund tretenden Sängern und Vokaltrios das Fundament für den Reggae legte. Nie wieder gab es eine solche Fülle großartiger Songs in einer so kurzen Phase; deswegen bezeichnen viele Musikfans sie als die goldene Ära.


Ken Boothe | Ernest Ranglin

Wie Ken Boothe – einer der Protagonisten jener Zeit – im Film treffend bemerkt: „Music have a lot to do with people“, so treffen wir viele dieser liebenswerten und großen Musikerlegenden im Film und auf dem Album wieder: Judy Mowatt, Rita Marley und Marcia Griffiths, die in den 60ern bereits ihre Solokarrieren verfolgten, ehe sie als I-Threes im Background von Bob Marley auf Welttournee gingen und den Reggae in die Welt hinaus trugen. Hopeton Lewis, der den Rocksteady mit erfand, der große DJ (Toaster) U-Roy, der den Sprechgesang international bekannt machte und somit grundlegend Rap und HipHop mit beeinflusste sowie Stranger Cole, Derrick Morgan und Leroy Sibbles sind nur einige der Musikerlegenden, die uns hier begegnen, und die sich zum Teil nach über vierzig Jahren zum ersten Mal wieder zum gemeinsamen Musizieren getroffen haben.
Auf dem größten Jazz-Festival der Welt in Montreal treffen sie sich im Juli 2009 erneut, wenn ihr Auftritt dort die Premiere des Films begleiten wird. Vielleicht folgen weitere Tourneen, die, ähnlich wie beim Buena Vista Social Club, der seine Wiedergeburt und des damit einher gehenden weltweiten Interesses an der kubanische Musik einem Film Wim Wenders’ mit verdankt, diesen jamaikanischen Musikerpersönlichkeiten und dieser großartigen musikalischen Stilrichtung eine gebührende späte Anerkennung schenken.

Ein in jeder Hinsicht historisches und essentielles Werk, das Reggaefreunden den Sommer versüßen und allen anderen eine vielleicht bis dato unbekannte Tür in der Musikgeschichte Jamaikas öffnen wird.


- CD im 8-seitigen Digi-Pack
- 15 neu aufgenommene Versionen alter Klassiker
- viele Fotos
- 16-seitiges Booklet
mit ausführlichen liner notes vom amerikanischen Musikjournalisten
Chuck Foster mit einem Abriss über die Rocksteady-Jahre und
detaillierten Angaben zu den einzelnen Songs sowie deren – noch lebenden
Musiker und Sänger/innen (siehe unten).

Künstler Foto-Download möglich über:
www.mydrive.ch
User: vgreutert - PW: rocksteady

Weitere Informationen:
www.muse.ca
www.hessegreutert.ch
www.rocksteadyrootsofreggae.com


Dawn Penn | Leroy Sibbles & The Tamlins

MUSIKER-ZITATE:

Ernest Ranglin, band leader, guitarist:
“It is such a great feeling to see all these musicians. Some of them I have
not seen for 40 years. It is a great moment for me”.

Sly Dunbar (Sly & Robbie), drummer:
"Rocksteady is the roots of Reggae. If you ask Jamaicans, a lot of them
would say that they prefer Rocksteady - because it had better sound, better
singing, better playing and better instrumentation."

Judy Mowatt, singer:
“The Rocksteady era was a romantic era. We sang love songs. The era and the
times- everything combined. There was no violence. You could walk the
streets of Jamaica at 12 o’clock, 1 o’clock, 2 o’clock without being harmed.
It was a time when men and women had so much fun!”.

Stranger Cole, singer, composer:
“The times were great in the Rocksteady era. There was so much love and
unity. There was no jealousy or envy among singers and musicians "The
Rocksteady days were the real love days of Jamaican music. It was a
wonderful time of togetherness”

Rita Marley, singer:
“Reggae is nice, but if you go back to the days of Ska and Rocksteady, you
find more rhythm and skirt twirling and you enjoy the music more. Boys and
girls danced together. Nowadays, if you go to a party, you hardly find a boy
and girl dancing. You see everyone dancing by themselves and it’s a whole
different thing. During the Rocksteady era, people were having more fun than
today. It was more loving and warm.” 

Marcia Griffiths, singer.
“The music is the greatest weapon we have today. We are depending on this
music to really unite the people of the world because this is all we have.
And I am a witness to what Bob Marley did and I know that this will never go
in vain. This is why we are here now, uniting everyone, almost everyone in
the music, who can testify to what this music – Rocksteady – and what our
Jamaican music has done and is still doing for the world.” 


Stranger Cole/Sly Dunbar

ROCKSTEADY – THE ROOTS OF REGGAE
Ein Film und Album-Projekt
Meine Liebesgeschichte mit Reggae begann in den späten 1970er Jahren. Wie viele junge Leute hörte ich damals Pop, Soul, Blues und vor allem Rock in allen seinen Varianten. In diese Welt herein brachen die Töne des Reggae, sie kamen direkt aus dem Getto der karibischen Grosstadt Kingston, Jamaika. Der Rhythmus versetzte in Trance und berauschte. Die Melodien waren melancholisch und zum Mitsingen einfach. Die Texte sprachen von Rebellion, Spiritualität und Liebe. Reggae traf den Lebensnerv einer Generation. Seit 1985 wird in Los Angeles auch ein Grammy in der Sparte Reggae verliehen, und Reggae entfaltete in Jamaika und auf der ganzen Welt unzählige Stilformen. Reggae war Mainstream und Weltmusik geworden. Doch je breiter Reggae wurde, desto schmaler wurde mein Interesse, so dass ich mich plötzlich fragte, was aus meiner Liebesgeschichte von einst geworden war. Dies bewegte mich dazu, nach den Wurzeln des Reggae zu forschen, und ich entdeckte dabei einen musikalischen Schatz, der fast völlig in Vergessenheit geraten war: Rocksteady.

Ich beschloss, eine filmische Entdeckungsreise zu unternehmen, um mehr über die Menschen und ihre Musik zu erfahren. Über zwei Jahre lang besuchte ich möglichst viele der Altmeister in Jamaika, England, New York und Montréal, um die (hoffentlich richtige) Auswahl zu treffen. Doch ich stellte erschrocken fest, dass bereits viele von ihnen gestorben waren. Und als wir in Montréal die Dreharbeiten mit Lynn Taitt, dem legendären Gitarristen und Bandleader der Rocksteady-Zeit, beginnen wollten, mussten wir zusehen, wie er vor unseren Augen wegen einer plötzlichen schweren Erkrankung vom Krankenwagen ins Spital gefahren wurde und für das Projekt ausfiel. Dies führte uns drastisch vor Augen, dass wir keine Zeit verlieren durften, wenn wir die besten Songs der goldenen Rocksteady-Ära originalgetreu in Bild und Ton festhalten wollten.

Im April 2008 trafen die Sängerinnen, Sänger und Musiker der Rocksteady-Ära im geräumigen, mit braunem Teakholz verkleideten Tuff Gong-Studio in Kingston zusammen. Für mich wurde ein Traum wahr, doch als Regisseur stand ich vor einer schwierigen Aufgabe. Die Koordination zwischen dem Filmteam und Musikteam gestaltete sich ungemein komplex, weil die Songs direkt während den Tonaufnahmen gefilmt werden sollten. Erschwerend war die Tatsache, dass es wegen unseren starken Filmlampen im Studio trotz Klimaanlage durchschnittlich 30 Grad Celsius heiss war. Doch dies tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Die Musiker harmonierten wirklich grossartig. Eigentlich erstaunlich bei der Tatsache, dass sich einige von ihnen über 40 Jahre lang nicht mehr miteinander gespielt hatten. Die Sängerinnen und Sänger hatten im Jamaika der damaligen Zeit zu den besten Stimmen gehört. Und es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass sie es auch heute noch sind.

Wir nahmen einzelne Stücke auch an ausgewählten, für die Entstehung des Rocksteady wichtigen Orten ausserhalb des Studios auf. Dies war mit zusätzlichen Hindernissen verbunden. Jeder Drehortwechsel verschlang Stunden im zähflüssigen Verkehr der Millionenstadt. Der starke Wind an der Kingstoner Uferpromenade stellte unseren Tonmeister vor schier unlösbare Probleme. Und bei den Aussenaufnahmen im zerfallenen Palace Theater musste unser Produktionsleiter ein halbes Dutzend in voller Lautstärke plärrende Radios in der Nachbarschaft freundlich unter Kontrolle bringen. Doch es lohnte sich. Die meist acapella und mit akustischen Instrumenten vorgetragenen Songs sind echte Kostbarkeiten im Film.

Das epochale „Klassentreffen“ der Rocksteady-All Stars führte nicht nur zur Aufnahme eines wunderbaren Albums, sondern ist auch eine Reise durch das Jamaika der sechziger Jahre. Wir treffen in den Liedtexten alle Themen an, die Jamaika damals bewegt und bis heute geprägt haben. In der romantischen Ära der mittleren 1960er Jahre geht es vor allem um Liebe und Tanz. Nach Einsetzen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, erzählen die Lieder zunehmend über die Emigration und den Ausbruch von Gewalt in den Gettos. Der Anlass von Haile Selassies Staatsbesuch in Jamaika führt zu einer stärkeren Hinwendung zu den afrikanischen Wurzeln und zur Spiritualität. Und viele Lieder berichten vom harten, täglichen Überlebenskampf und vom Kampf um soziale Gerechtigkeit. Ganz im Sinne von oral history erfahren wir von den Beteiligten selbst, wie es damals zu dieser ausserordentlichen Musik gekommen ist.
Nach Abschluss des Projektes hatte ich meine alte Liebe zum Reggae endgültig wieder gefunden. Ich hoffe, dass dieses Album und der Film Brücken zwischen Herzen auf der ganzen Welt schlagen wird.

Stascha Bader
Regisseur des Films “Rocksteady – The Roots Of Reggae”)
Stascha Bader graduierte 1986 an der Universität von Zürich zum Thema "Words like Fire: Dance Hall-Poetry in Jamaica and England". Als freelance-Autor und Regisseur hat er bereits zahlreiche Dokumentationen und Musik-Videos gemacht.



Judy Mowatt | Scully Simms & Gladstone Anderson


ROCKSTEADY
Rocksteady: Der heilige Gral für Sammler jamaikanischer Singles, für die selbst der Roots-Reggae der 70er Jahre nur silbern glänzt im Vergleich zu dieser goldenen Zeit, die eine kurze Periode in der musikalischen Historie umfasst und vom späten Ska der Mittsechziger bis zum frühen Reggae reicht, der sich in den Vordergrund drängte als sich die Dekade seinem Ende zuneigte. Ebenso wie Ska und Roots-Reggae ist der Rocksteady nie wirklich gestorben; er überlebte im Wandel, als Fundament des Reggae und in den Songs unzähliger Künstler, die wie Ken Boothe, Alton Ellis und Stranger Cole in dieser Zeit ihre schönsten Meisterwerke ablieferten, auf die sie im Laufe ihrer Karriere immer wieder zurück griffen. Simplizität kennzeichnete die Musik: dreistimmige Harmonien, auffällige Gitarrenlinien und Texte, die den Alltag der Menschen behandelten, die Liebe behandelten oder hier und da einen größeren sozialen Kontext mit einschlossen, bestimmten das Bild. Es war auch die Zeit des elektrischen Bass, einer fundamentalen Veränderung gegenüber dem Ska, und das Aufkommen von Zweispuraufnahmen auf Jamaika, was es ermöglichte, einen sauberen, klaren Sound zu produzieren, wie er vorher noch nicht zu hören war. Nichtsdestotrotz hat diese Musik wenig mit Technologie zu tun, viel mehr mit Herz und Seele. Die Künstler waren nicht wegen des Geldes dabei, wie John Holt mir erzählte:“ Man wollte singen und sich selbst im Radio hören“.
Rocksteady erblühte nicht während einer Zeit des Vakuums, das passierte vom Mento bis zum Dancehall nie bei jamaikanischer Musik. Man muß sich den Zeitgeist und frühe Einflüsse anschauen. Der Rocksteady wurde von vielen verschiedenen Musikformen inspiriert; vom Soul Stil eines Curtis Mayfield und The Impressions ebenso wie von frühen Motown-Aufnahmen und britischen Beatbands – einer der größten Hits jener Zeit war eine Slim Smith-Coverversion eines Buffalo Springfield Songs. Aber es gab immer etwas Eigenes und Erfrischendes im Rocksteady, das anders war als jede andere Musik jener Tage, ja sogar anders als jeder andere jamaikanische Musikstil, der voraus ging oder noch folgen sollte. Als Rocksteady aufkam, unterschied er sich auffallend vom bis dato vorherrschenden schnellen, Bläser dominierten Sound. Jetzt klang es süß und mit viel Soul, verankert in seiner Einfachheit, die Bläser wurden weggelassen, oder spielten nur noch eine untergeordnete Rolle, und Melodien, Harmonien und vor allen Dingen die Sänger drängten nach vorne; die Betonung lag auf dem einzelnen Song und seinem musikalischen Groove.
Reggae ist die natürliche Weiterentwicklung des Rocksteady, und Rocksteady selbst ist eine unvermeidliche Reaktion auf den Überschwang des Ska. Dies war der Stil, der den Sängern entgegenkam, und einige der besten Vokalisten entstammen dieser Zeit. Die Reinheit dieser Musik – und vielleicht auch jener Zeit – stechen hervor, wenn man diese Originale und das Feiern einer lange vergangenen Ära hier wieder hören kann, mit vielen noch lebenden Originalmusikern, die noch einmal das Gefühl und die Einstellung jener Tage in diese Aufnahmen einfließen lassen.
Viele, die diese Musik einst erschufen, sind von uns gegangen, wie Duke Reid, Clement „Coxsone“ Dodd, Leslie Kong und Desmond Dekker, Phillis Dillon, Alton Ellis und so einige mehr, aber ihre Musik wird niemals sterben. Kehren Sie mit uns zurück in eine andere Zeit, als Melodien, Harmonien und ein Tanzbeat sich zu einem Sound vereinten, der immer frisch bleiben wird: Blätter die Dekaden zurück und tanz den Rock Steady.
The Roots Of Reggae ist eine musikalische Reise in Jamaika’s goldenes Zeitalter, dem Rocksteady. Der Film stellt die Musik und die Geschichte der legendären Sänger und Musiker vor, die nach vierzig Jahren wieder zusammengekommen sind, um ein Album mit Rocksteady-Hits aufzunehmen, für ein All-Stars-Reunion-Konzert in Kingston, Jamaika aufzutreten, und die ihre ganz eigene Geschichte erzählen.



Hopeton Lewis | U-Roy

DIE SONGS

LEROY SIBBLES – People Rocksteady
Rocksteady war – und wie auch diese Anthologie es noch zeigt – eine Feier des Lebens. Und kein anderer Sänger ist besser geeignet, reine Freude allein mit dem Klang seiner Stimme hervor zu rufen, als Leroy Sibbles. In Interviews gibt er einem das Gefühl, dass man der wichtigste Mensch auf der Welt ist, dass alles, was man sagt, ihn wirklich brennend interessiert – seine Liebe zum Leben ist wahrlich ansteckend. Wenn Leroy Sibbles Dich zu einer Party einlädt, dann gehst Du mit Freude zu der Party. Die Musik erinnert uns an leichtere Zeiten, an eine Unschuld, die nur schwer wieder zu erlangen ist in dieser heutigen komplexen Welt. Als die Originalaufnahmen gemacht wurden, gab es noch keine Handys, keine Notebooks, kein digitales Auslesen, keine CD’s, DVD’s oder mp3’s. Das heißt nicht, dass es damals keine Probleme gab- Armut, Ungerechtigkeit, Hunger, Besitzlosigkeit, Krieg und Gerüchte über Krieg waren lange Zeit unsere Begleiter, und doch scheinen auch die modernen Errungenschaften diese nicht aus der Welt zu schaffen. Aber Musik hat die Fähigkeit, trübe Gedanken und endlose Sorgen beiseite zu schieben; sie ermöglicht ein Ruhen in der Zeit, - für die Länge eines Songs, für eine Nacht auf einem Dance oder solange man diesen spirituellen Geist bewahren kann – sie kann eine Stimmung erzeugen, die Dinge leichter macht und einen wieder zurück auf den richtigen Weg bringt. Rocksteady hat nicht die Probleme der Welt gelöst, aber er brachte Freude in das Dasein. Dieser Ausruf zum Tanz ist eine offene ausgesprochene Einladung an alle Menschen dieser Welt.

HOPETON LEWIS – Sound & Pressure
Die Original Version wurde in der gleichen Session wie Lewis’ „Cool Cool Collie“ und „Take It Easy“ aufgenommen - mit Gladstone Anderson am Piano und Lynn Taitt an der Gitarre. Das ist purer, unverfälschter Rocksteady mit Bläser durchtränktem Ska-Break, der offenbarer nicht sein könnte. Das urprüngliche Arrangement stammt von Keith Scott von Federal Records. Auf dem vorliegenden Album verleiht Lewis dem Song eine soulige Interpretation, was durchaus mit seiner langen Karriere im Reggae korrespondiert. Heute ist er zu seinen Wurzeln als Gospel Sänger zurück gekehrt.
Druck ist ein immer gegenwärtiges Thema in jamaikanischen Songs gewesen; so wie in „Keep The Pressure Down“ von Errol Dunkley, „Pressure Drop“von Toots & The Maytals und neueren Songs wie „Pressure Them Jah Jah“. Die Legende besagt, dass Rock Steady den Ska ablöste, weil der Sommer 1966 zu heiß zum schnellen Tanzen war. Und diese Metapher von Kingston als Dampfkessel wird noch unterstrichen durch die Tatsache, dass Rocksteady als Ventil diente, diesen Dampf abzulassen. Auch wenn wir oft davon sprechen, welche Einflüsse von außen die jamaikanische Musik gefüttert haben, ist es gut sich zu erinnern, dass jede einzelne Ära von Ska über Rocksteady bis zum Roots Reggae Zeiten der Innovation und nicht der Imitation waren. Sicherlich waren sie gut informiert über die amerikanische Musik und ihrer Künstler – genauso wie es die Beatles in England waren, die oft mehr über diese Künstler wussten als viele Amerikaner -, dennoch gab es vorher keine Schallplatten, die so einen Sound hatten wie diese jamaikanischen Original Versionen. Der Druck, dem sich die Jamaikaner ausgesetzt sahen, kanalisierten sie in einer Musik, die deutlich mehr war als die Summe ihrer Anleihen, was im daraus resultierenden Sound widerhallt.

JUDY MOWATT – Silent River Runs Deep
Die jamaikanische Redeweise ist angefüllt mit westindischen Folkweisheiten und markigen Sprüchen, die selbst einen Shakespeare oder die verschiedenen Autoren der Bibel stolz machen würden. Viele von ihnen fanden ihren Weg in die Songtexte und bereicherten die Musik von Justin Hinds & The Dominoes, Bob Marley & The Wailers und dutzenden von anderen Bands. Sie handeln oft von natürlichen Phänomenen, welche ihnen ein zeitloses Echo der Prophezeiung geben; behauptete Wahrheiten, die solange sie auf dem Wissen basieren, das durch sorgfältiges Beobachten erzielt wurde, nicht argumentiert werden können. Ruhige Gewässer sind manchmal tatsächlich tief. Der Song wurde im Original von den Gaylettes aufgenommen, die als Trio um Beryl Lawson, Dawn Hanchard und Marie Clemenson begannen. Nach einer inaktiven Zeit ersetzte Judy Mowatt Dawn Hanchard und sie begannen live aufzutreten und als Backgroundsänger bei Federal Records zu arbeiten. “Silent River“ wurde von Henry Buckley geschrieben und war ein Riesenhit, dem Songs wie „Something About My Man“ und „If You Can’t Be Good Be Careful“ folgten. Ihre gemeinsame Arbeit ist zusammen gefasst auf der CD „We Shall Sing“. Judy Mowatt startete eine brillante Karriere als „Jamaika’s Aretha Franklin“ mit Hits wie „Emergency Call“, „Black Woman“, „Slave Queen“, „Fly African Eagle“ und „Only A Woman“. Aus vertragsrechtlichen Gründen nahm sie einmal unter dem “Juliane” auf. Als Mitglied der I-Threes tourte sie mit Bob Marley & The Wailers um die Welt und in späteren Jahren fand sie im Gopsel eine neue Richtung und Karriere. Hier wiederholt sie ihren Original Leadgesang.

U-ROY – Stop That Train
Der Soundtrack „The Harder They Come“ diente vielen als Einstieg in den Reggae, sorgte aber bei vielen Außenstehenden aufgrund seiner seltsamen Mischung aus Rocksteady und Reggae ohne jegliche Erklärung noch Jahre später für ein wenig Konfusion.
Die Original Version stammt von Keith & Tex und wurde von Derrick Harriott produziert; Scotty hatte einen brillanten DJ-Spin mit „Draw Your Brakes“ auf diesem Song, der auch auf der damaligen Zusammenstellung enthalten war. Der Song machte international viele Wege frei, obwohl er keineswegs typischer Rocksteady war. Keith Rowe arbeitet mittlerweile als DJ in den USA und Tex Johnson hat einige Solowerke in der Zwischenzeit veröffentlicht. U Roy war nicht der erste DJ, aber niemand hat ihm bis heute den Titel , der Beste zu sein, streitig machen können, und wird es auch nach über vierzig Jahren wohl nicht mehr. Sein unfehlbares Timing, seine lyrische Brillanz und sein unvergleichlicher Vortrag setzen ihn über seinesgleichen und setzten einen Standard, der half eine ganze Industrie zu gründen. Mehr als einmal führte sein kunstvoller Beitrag zwangsläufig zu Dub und späteren Ausläufern vom Dancehall, Ragga, zu MC und HipHop. Ohne U Roy und einigen Nachahmern, die seinem Sog folgten, würde es keinen Rap geben. In einer Zeit, in der Folk Sänger über Züge singen, die sie vielleicht nie gesehen haben, vergessen wir schnell, wie wichtig Züge im Süden der Vereinigten Staaten waren, als sie tausende von Blues Songs hervor brachten, auf denen die Mundharmonika den Rhythmus der lieb gewonnenen Züge imitierte. Auf Jamaika war die Benutzung der Züge das gebräuchliche Transportmittel. Mehr als eine Metapher unterstreicht der Zug selbst für viele Jamaikaner eine Beziehung zu jemandem, den man liebt, der gerade zurück auf dem Weg zu seiner Familie ist, oder nach Kingston unterwegs ist, um Arbeit zu finden. „My baby left me on the morning Metro-Link” hat einfach nicht den gleichen Klang.

KEN BOOTHE – Freedom Street
Dieser Song sprang wieder an die Spitze meiner persönlichen Playlist, als Barack Obama zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Ken Boothe, der den Song auch im Original gesungen und zusammen mit B.B. Seaton, dem Sänger der Gaylads, geschrieben hat, trägt den Song vor, als bringe er die Steintafeln von der Gebirgsspitze herunter, als würden die Wolken aufbrechen und die Sonne durch scheinen lassen. Wie die Diaspora, oder Zion ist „Freedom Street“ ein Platz und das Bestimmungsziel, der Seelenzustand und eine Realität. Es ist der Pfad, auf dem wir gehen, um dorthin zu kommen, wohin wir gehen wollen; ausgedrückt in der überlieferten Weisheit, dass nur ankommt, wer auch aufbricht – bis zum ultimativen Ende der Strasse. Der Song bringt uns die Ära der Kämpfe um zivile Rechte zurück ins Gedächtnis – Sit-Ins und Freiheitskämpfer, die unter Einsatz ihres Lebens gegen Rassendiskriminierung im entlegenen Süden der USA kämpften, die sich weigerten, zu akzeptieren, was bis dato noch nicht einmal in Frage gestellt war. Obgleich ein guter Teil der Musik im Rocksteady sich um Liebeslieder drehte, waren es gerade Songs wie dieser, die den Begriff Liebe zu ihrem logischen Ende führten und zu Hymnen auf ein besseres Leben wurden. In Ken Boothe’s Vision ist die „Freedom Street“ kein imaginärer Platz, keine unrealistische Hoffnung, sondern eine greifbare, praktikable, erreichbare und tragfähige Vision von der Zukunft der Menschheit.

DERRICK MORGAN – Tougher Than Tough
Heute schätzen wir Rude Boys ähnlich wie Gangster ein, aber zu Zeiten als dieser Song im Original aufgenommen wurde, sah man die Rude Boys als etwas Revolutionäres an, die sich gegen etablierte Trends auflehnten, die nicht bereit waren zu akzeptieren, dass Leute ohne Geld, Durchsetzungsvermögen und Verbindungen unfair behandelt wurden; sie waren rebellische Seelen und Verteidiger der Ghettos. Derrick Morgan schrieb und sang den Song auch im Original, und vierzig Jahre später nimmt er die Rolle des Bestrafers, Anstifters und Unterstützers von Outsidern wieder auf, die sich weigern, außen vor gelassen zu werden. Der Song war auch als „Rudies Don’t Fear“ bekannt. Man sagt, er hätte den Song auch als „Rastas Don’t Fear“ in den 70ern dem Zeitgeist angepasst. Zu der Zeit hatten sich auch jene Rude Boys, die noch am Leben und nicht gerade im Gefängnis waren, von den ehemaligen Rude Boys Bob Marley, Peter Tosh und Bunny Wailer offensichtlich durch deren Wandel und deren neuen Botschaften zu den Rasta Youth remanifestiert. Heute kann man feststellen, wie die Symbole jener Zeit – von Morgan’s Porkpie Hut bis zu den Dreadlocks – sich international etabliert haben. Wir haben Revivals und andere Arten von Stilen gesehen, die überlebt haben, Klassiker wurden wieder veröffentlicht und Projekte wie dieses, das noch einmal die Vergangenheit hochleben lässt, zeigen uns, dass die Musik nie vergessen wird. Auch wenn die Gesellschaft gegen diesen Ghetto Stil und Sound gekämpft hat, ist doch vieles, was sie aufrecht erhalten wollten, fade und vergänglich, während diese aufständischen Songs einen Sinn von Direktheit und Beständigkeit besaßen. Die Gesellschaft wird immer versuchen, die Jugend nieder zu kämpfen, aber wie Morgan es treffend betont – sie sind härter als hart.

DAWN PENN – You Don’t Love Me (No No No)
Ein großer Hit für Dawn Penn 1967 auf Jamaika, der von Clement Seymour “Coxsone“ Dodd vom Studio One produziert wurde, und 1994 in einer neuen Dancehall Version auch international erfolgreich war. Der Song wurde im Blues geboren und als „You Don’t Love Me“ unter anderem von Bo Diddley, Little Willie John und Sonny & Cher aufgenommen. Die ursprüngliche Melodielinie wurde beibehalten, aber der Text wurde umgerüstet und signifikant am Anfang statt „Umn Umn Umn“ in „No No No“ umgearbeitet, was in Penn und Dodd’s und allen späteren Versionen passiert. Danach nahm Penn den Song auch noch für Jammy’s auf und K. C. White hatte ebenfalls eine jamaikanische Hit-Version davon in den 70ern. Der Musikwissenschaftler Chuck McCabe hörte zum ersten Mal den Original Song 1964 in einem Kaffeehaus in Newport Beach, der von einer unbekannten Sängerin gesungen wurde. Die Studio-One-Version ist einer der größten „Riddims“ aller Zeiten, bei dem der Standard Blues Lick ersetzt wurde von Ricky Ricardo’s geradliniger Bläserlinie und Penn’s sehnsüchtigem Schulmädchenvortrag, bei dem die Stimme wie verträumt klingt. Das Steely & Clevie-Remake (für ein Studio One Tribut) beinhaltet ein U Roy-Sample und einen schnelleren, digitalisierten Rhythmus. Aber in seiner Essenz gibt es schon Jackie Mittoo’s ursprüngliches Arrangement wieder, sowie Penn’s ausgereifte Darbietung. Sie nahm noch andere gute Rocksteady Songs auf, wie „Why Did You Lie“ für Duke Reid, „Long Days Short Nights“ und eine Version von „To Sir With Love“, die selbst Lulu’s zeitgleichen Hit übertraf. Die letzten zwei Songs sind auf der von Moll/Selekta veröffentlichten Anthologie „Various Artists – The Bunny Lee Rocksteady Years“ enthalten. Penn’s spätere Alben beinhalten „No No No“ (ebenso das Remake), „Come Again“ und „Never Hustle The Music“. Diese neue Version kommt der Originalaufnahme sehr nahe, die sie in ihrer ersten Aufnahmesession mit Dodd machte.

STRANGER COLE feat. GLADSTONE ANDERSON – Love Me Today
Stranger Cole ist einer der innovativsten Singer/Songwriter Jamaikas und seine beständige Freund- und Partnerschaft mit dem Pianisten und Sänger Gladstone Anderson führte zu einigen prächtigen Rocksteady Songs, die sich durch Schönheit, Simplizität und Tiefe auszeichneten, wie man sie nur selten in Zeiten der digitalen Hochgeschwindigkeitsmusik hört, bei der die Aufnahmen makellos klingen, aber nichts von dieser Seele früherer Tage einfangen können. Obwohl er auf eine lange Karriere als Solosänger zurück blicken kann, hat Stranger auch häufig mit Partnern wie Millicent Todd (auch als „Patsy“ bekannt) und Ken Boothe gesungen, aber seine süßen und einfachen Songs mit Gladdy überstehen jeden Zeittest. Zu seinen größten Aufnahmen über die Jahre zählen „Pretty Cottage“, “Seeing Is Believing“, „We Shall Overcome“, „If We Should Ever Meet“ und der große Hit „Just Like A River“. „Love Me Today“ hieß früher „Love Me This Evening“ und wurde, wie auch alle anderen vorgenannten Songs, von Stranger selbst geschrieben, einem Mann, der mir einst erzählte, er könne nie einen Song über einen Autorücksitz schreiben, denn er besaß kein Auto. Wenn er singt: „Es betrübt mich, eine Liebe wie Deine, werde ich niemals finden“ ist es kaum vorstellbar, dass er nicht weiß, von wem und über was er da spricht.
Gladdy Anderson war umtriebig und wurde einer der meist gebuchten Session Musiker Jamaikas, der – übertragen gesprochen – auf Tausenden von alten Aufnahmen mitspielte, was seine Beteiligung als eines der Gründungsmitglieder der Roots Radics einschließt. Stranger Cole übersiedelte nach Kanada, wo er einen Plattenladen eröffnete; von dort nach Los Angeles bis er endlich wieder nach Jamaika zurück kehrte, wo sein Sohn Squiddly mittlerweile selbst zu einem Top Session Musiker heran gereift ist. Cole’s Reggae-Aufnahmen beinhalten prächtige Songs wie „Abraham Isaacs“, „Black Son“ und „Teeth And Tongue“, die alle zu Roots Reggae Markenzeichen wurden.

HOPETON LEWIS – Rivers Of Babylon
Mit einem Text, der von Salomon’s Sohn David verfasst und aus den Psalmen transkribiert wurde, schmückte Brent Dowe von den Melodians einen der dauerhaftesten Rasta Songs aller Zeiten modisch aus. Ernest Ranglin’s Gitarrenspiel auf der Originalaufnahme ist in seiner Schlichtheit voller Seele, die entscheidend dazu beitrug, eine zeitlose Roots Hymne zu schaffen. Viele Male diente der Song als Vorlage für diverse unterschiedliche Versionen, die auch einen Disco Hit von Boney M mit einschließt. Denn der Song besitzt jegliches Charakteristikum, das von einem Evergreen erwartet wird: eine unvergessliche Melodie, ein Rhythmus, der so natürlich ist wie ein Herzschlag und ein Text, der eine enorme poetische Kraft entfaltet. Den wandlungsfähigen Hopeton Lewis kann man als Zweitstimme hinter einigen von Phillis Dillon’s bekanntesten Songs hören, mit der er zuerst für Treasure Isle und dessen Produzenten Duke Reid gearbeitet hat. Ich sah sie noch in den 90ern zusammen auftreten und sie waren wundervoll. Hier zeigt Lewis, was für ein fähiger Sänger er ist. Der in die Jahre gekommene, großartige Joe Higgs pflegte diesen Song in seine Live Shows zu integrieren. Es ist ein perfekter Schlußsong, wenn alle auf der Bühne sind, wie bei Dylan’s „I Shall Be Released“. Samuel The First ( auf der Originalaufnahme), U Roy und I Roy sind nur einige der DJ’s, die diesen Song gecovert haben.

KEN BOOTHE – Shanty Town (007)
Ein großer Hit für den unnachahmlichen Desmond Dekker, während der Original Rhythmus in 2007 eine Renaissance in dutzenden von Songs von so unterschiedlichen Künstlern feierte wie Shaggy, Dennis Alcapone und den Blackstones. Der Song erinnert daran, wie turbulent die Sixties überall auf der Welt waren, und besonders auf Jamaika. Der raue Rhythmus, der klagende Text und der bedeutsame Heulton geben dem Ganzen die Dringlichkeit einer Tageszeitung, bei der die Druckerschwärze noch nicht getrocknet ist. Ken Boothe ist einer von Jamaikas größten und souligsten Sängern mit einem Strang voll Hits, die Ska-Kracher ebenso umfasst wie Rocksteady Meisterwerke wie „Train Is Coming“ und Reggae Klassiker von erstaunlicher Tiefe wie „Old Fashioned Way“ oder „Christopher Columbus“. Vergleichbar mit Toots Hibbert, dessen frühe Aufnahmen unbestreitbare Klassiker sind, wird auch seine Stimme mit den Jahren immer kraftvoller. Genauso wie es einen Aaron Neville braucht, um Sam Cooke zu covern, so kann nur ein Sänger mit Ken Boothe’s Fülle einen Desmond Dekker Song neu einsingen. Boothe hat sich in verschiedenen Versionen von Songs wie „Everything I Own“, „Let’s Get It On“ und „Still Haven’t Found What I’m Looking For“ immer und immer wieder bewiesen und es geschafft, das jeweilige Original noch zu übertrumpfen.
Der Song gibt einen interessanten Kommentar zu anhaltender Popularität ab – im Buch, Film und der Musik – zu der Person von James Bond, der von Ian Fleming geschaffen wurde, und der jedes seiner Original Bond Bücher schrieb, während er auf Jamaika weilte.

MARCIA GRIFFITHS – Tide Is High
Ursprünglich von den Paragons mit John Holt als Leadsänger und einer einzelnen, sich schlängelnden Geige im Vordergrund, war es jedoch erst das Remake der Rock’n’Roller von Blondie, die damit Anfang der 80er die internationalen Charts stürmten. Bis heute denken einige Leute, wenn sie das Original hören, dass es sich dabei um eine Reggae-Coverversion eines Blondie Songs handelt, genauso wie manche glauben, Ska hat in den 80ern in England angefangen. Das Remake hatte solch eine Schockwirkung auf die Paragons, dass zwei Originalmitglieder zurück in die USA gingen, die Band reformierten und später noch verschiedene Alben aufnahmen. Marcia Griffiths, die den Song hier singt, blickt auf eine lange und ausgezeichnete Karriere in der Reggae Musik, die mit ihren eigenen Rocksteady Songs für Studio One anfing, mit klassischen Roots Songs wie „Peaceful Woman“ und „Stepping Out Of Babylon“ für Sonia Pottinger fortgeführt wurde und schließlich als ein Mitglied der I-Threes zusammen mit Judy Mowatt und Rita Marley seinen Höhepunkt in den internationalen Touren mit Bob Marley & The Wailers fand. Danach gingen ihre internationalen Soloerfolge weiter mit dem Song „Electric Boogie“, der von Bunny Wailer geschrieben wurde und den verrückten Tanzstil „The Electric Slide“ auslöste. Sie hatte andere Hits wie „Feel Like Jumping“ an der Seite von Jackie Mittoo, verschiedene Alben mit Bob Andy als Duo Bob & Marcia, die zusammen einen großen Hit in England hatten mit „Young, Gifted And Black“, und vor kurzem erst in Kombination mit Cutty Ranks, Tony Rebel, Beenie Man, Buju Banton und Da-Ville. Keine andere jamaikanische Sängerin kann wie sie auf Charterfolge in den letzten fünf Dekaden vorweisen.

LEROY SIBBLES – Equal Rights
Leroy Sibbles war eine treibende Kraft im Rocksteady und Reggae. Als Leadsänger der Heptones neben Earl Morgan und Barry Llewelyn stand er einer der größten Vokalgruppen Jamaikas aller Zeiten vor. Als Bassgitarrist bei Studio One schuf er zusammen mit dem Organisten und Arrangeur Jackie Mittoo einige der nachhaltigsten und bis heute unsterblichen Riddims; sie bauten das Fundament, auf das sich bis zum heutigen Tage jeder Reggae gründet. Nach dem Ausstieg bei den Heptones begann seine erfolgreiche Solokarriere, die bis heute andauert. Nur wenige können den Heptones bei den Liebesliedern das Wasser reichen, und ihre mit Botschaften behafteten Songs wie „Be A Man“, Freedom Line“ und „Message From A Black Man“ gehören zu ihren besten Arbeiten bei Studio One, genauso wie spätere Songs wie „Mystery Babylon“, Cool Rasta“ und “Repatriation Is A Must“ zu den größten Tracks der Reggae Ära zählen. „Equal Rights“, ein Hit auf Jamaika lange bevor Peter Tosh einen Song mit gleichem Namen veröffentlichte, ist ein Appell an die Toleranz. Armut und Rassismus
sind seit Jahren wie ein Klotz am Bein verbunden und es ist kein Zufall, dass Haile Selassie’s Vision „ dass bis die Hautfarbe eines Menschen nicht mehr Bedeutung hat als die Farbe seiner Augen“ und „solange bis es keine Bürger erster und zweiter Klasse in irgend einer Nation gibt“ mehr Anklang findet, wie die Zeit vergeht. Man stelle sich vor, in was für einer Welt wir leben würden, wenn wir diese Wahrheiten als selbstverständlich erachteten.

DERRICK MORGAN – Conquering Ruler
Derrick Morgan herrschte im Ska, Rock Steady und den frühen Tagen des Reggae und trug wiederum immer neue Wellen mit, auch nachdem er sich wieder in England niederließ. Von seiner frühen Arbeit mit Prince Buster, über seine glänzenden Aufnahmen für Leslie Kong und Bunny Lee, war Morgan mit seiner prahlerischen Serie von Singles wie „I Am The Ruler“ und „I Am The Conqueror“ der Menge haushoch überlegen, die solche Ausgeburten wie Cornel Campbell’s „I Am The Gorgon“ und Dibby-Dibby-DJ’s mit ihrer aufgeblähten Haltung wie schwache Echos auf seine Herausforderung aussehen ließen. Seine berühmt-berüchtigten Wortgefechte mit Prince Buster, die in Form von Singles in mehr als einer Weise als Anfeindungen angesehen werden können, wurden trotz der beidseitigen Freundschaft fortgeführt. Über die Jahre hat Morgan viele großartige Songs in dieser Art gemacht wie „Be Still (I’m Your Superior)“, „Leave Earth“ und „Blazing Fire“. Obwohl man ihn hauptsächlich als Blue Beat-, Ska- oder Rock Steady-Künstler bezeichnet, ist heute zwischen seinen vielen großen Reggae-Aufnahmen auch ein Titel wie „Babylon Is Public Enemy No. 1“ für Bunny Lee. Von seinen frühen Hits wie „Forward March“, der zu den Feierlichkeiten zu Jamaikas Unabhängigkeit veröffentlicht wurde, über seine englischen Hits wie „Moon Hop“ bis zu seinen Klassikern in der Mitte der 70er Jahre wie „Behold“ mit Johnny Clarke, hat er immer seinen hohen musikalischen Standard gehalten und wurde eine Art erfahrener Staatsmann für die nächste Generation. Heute führt seine Tochter, die unter dem Namen Queen Ifrica Aufnahmen macht und live auftritt, die Familientradition fort, Songs mit Belang auch gegen den üblichen Trend aufzunehmen.

HOPRTON LEWIS – Take It Easy
Debatten werden immer darüber grassieren, welcher Song der erste in jedem genannten Musikstil gewesen ist. Obgleich Jackie Berenson’s Hit von 1952 „Rocket 88“ (angetrieben von Ike Turner’s Rhythmus Sektion) gemeinhin als erste Rock’n’Roll-Aufnahme angesehen wird, gibt es doch von Fats Domino bereits 1947 Songs im gleichen Stil. Genau so ist es mit Ska ( war Theophilus Beckford’s „Easy Snapping“ Ska oder jamaikanischer Rhythm’n’Blues?), oder mit Reggae (wenn Larry Marshall’s „Nanny Goat“ den Titel gewinnt, was ist dann mit „Oh Carolina“ von den Folkes Brothers?), und Rock Steady, mit Roy Shirley’s „Hold Them“, der als Mitbewerber neben der Originalaufnahme von Hopeton Lewis’ „Take It Easy“ gilt. Läßt man die Debatte mal beiseite, war „Take It Easy“ ein Song, der Jamaika zerrissen hat, und jeden dazu trieb, mit irgend etwas zu kommen, um darauf zu antworten, ein Song, der die Totenglocke für den Ska läutete (obwohl Ska mit seinem internationalen Wiederaufleben den letzten Lacher auf seiner Seite hatte und immer noch einen Schatten über den Stil warf, der ihn abgelöst hat). Die Botschaft dieses Songs – innewohnend im Beat oder „Riddim“ wie im Text – führt geradewegs zu späteren Hits wie Bob Marley’s „Three Little Birds“ und Bobby McPheron’s „Don’t Worry Be Happy“. Es ist auch die sehr angenehme erste Lektion, die jeder Jamaikaurlauber lernt: No Problem! Hopeton Lewis ist ein jamaikanischer Soul Sänger mit Wurzeln im amerikanischen Rhythm’n’Blues. Seine anderen Rock Steady Hits beinhalten Titel wie „Sounds And Pressure“ und „Cool Cool Collie“, und er ging über in die Reggae Ära mit Songs wie „Boom Shacka Lacka“ (1970), „Grooving Out On Life“ (1971) und Coverversionen jeglicher Art von „City Of New Orleans“ bis zu „The Wind Cries Mary“. Sein „Leaving Babylon“ (1975) ist ein Roots Reggae Klassiker und seine Liveauftritte sind legendär.

LYNN TAITT – Bog Walk
Es ist interessant, wie die Musik selbst ihre Scheinwerfer immer nach Jamaika gerichtet hielt. Rocksteady führte die Version ein, mit einem Instrumentalsong über den gleichen Rhythmustrack, und der Gesang füllte häufig die B-Seite einer Single aus. In der Zeit des Reggae gingen die Versionen über in den Dub, und wieder einmal war der Fokus auf die Musik selbst gerichtet. Auf Jamaika ist die zugrunde liegende Struktur eines Songs besser bekannt als “Riddim“, und von den Original-Riddims wurden Remakes angefertigt und sie wurden endlos recycelt, was in den Remixen zeitgemäßer Tanzmusik mündete; wieder einmal wurde eine eigentümliche jamaikanische Erfindung weiter gereicht an alle Musikliebhaber dieser Welt. Reggaefans können hunderte von Riddims benennen, die nach der ersten Version eines Songs betitelt werden, obgleich aus diversen Gründen – einschließlich des offensichtlichsten, dass wenn man die Herkunft des Riddims im Dunklen lässt, es den Produzenten einiges an Geld sparen könnte – diese Tradition den Weg für eine endlose Reihe von Namen frei gegeben hat. In welcher Form diese Klassiker auch strukturiert sein mögen, viele von ihnen sind zuerst bei Studio One erschaffen worden, und sind zu einer Art Lebenssaft des Reggae geworden. Wie viele andere Dinge im Reggae, so reicht auch der Roots Reggae zurück in den Rocksteady.
Das hat den Vorteil, dass Künstler auf Tour die Kräfte mit lokalen Bands bündeln können und eine Serie von Riddims ausrufen können, über die die Sänger ihre eigenen Songs singen können. „Bog Walk“ schreit der DJ, die Band klinkt sich ein und sogar die kurze Probeaufführung wird unwichtig. Bog Walk selbst ist tatsächlich der Name eines Platzes auf Jamaika. Einer der hervorstechendsten Eigenschaften am Riddim ist, dass sogar etwas Neues ein vertrautes Element enthält, sodass das Eis schon gebrochen ist bevor der eigentliche Song beginnt. Auch wenn Bands wie The Soul Vendors es vielleicht selbst nicht wissen, so schufen sie doch einen Arbeitskörper, der als Fundament für eine endlose Reihe von Umsetzungen diente, was einen immer antrieb, das Original aufzuspüren. Hier nehmen uns einige der besten und größten Musiker Jamaikas mit zurück in eine süßere Zeit.


Scully Simms | Marcia Griffith


DIE MUSIKER:
Ein Wort über die Musiker, die auf diesen Songs spielen, scheint nur angemessen. Der ursprüngliche Rocksteady wäre nicht das geworden, was er war, ohne die Arbeit von jamaikanischen Session-Musikern wie LynnTaitt und Jackie Mittoo. Für dieses Albumprojekt haben der Produzent Moss Raxlen und der Filmregisseur Stascha Bader ein „Who’s Who“ jamaikanischer Musiker versammelt, von denen viele die Original Rocksteady Hits eingespielt haben. Der Gitarrist Ernest Ranglin hat mit jedem gespielt von den Skatalites bis zu den Wailers und mit seinem charakterischen Stil drückte er tausenden Schallplatten seinen Stempel auf; angefangen bei Millie Small’s „My Boy Lollipop“, den er auch arrangiert hat, bis zu dutzenden Soloalben. Hux Brown ist vielen Reggaefans bestens bekannt durch seine Welttourneen in den 70ern mit Toots & The Maytals, durch seine Arbeit in England, Jamaika und den USA, und seinem Mitwirken an der Seite von Lynn Taitt und dem Bassisten Jackie Jackson an vielen originalen Rocksteady -Aufnahmen für Duke Reid.
Lloyd Parks entstammt dem Rocksteady Vokaltrio The Termites, und mit seiner Tourband We The People Band half er mit, Reggae international bekannt zu machen. Leroy Sibbles, der auch Gesang beisteuert, spielte Bass im Studio One auf einigen der größten Klassiker der Rocksteady- und Reggae-Ära. Sly Dunbar ist überall auf der Welt bekannt als eine Reggae Leitfigur, der schon während seiner Schulzeit sein Pausengeld lieber an die Juke Box verfütterte, um die Rocksteady Hits von Ken Boothe und anderen zu hören. Viele der großen Hits während der Reggae-Zeit, auf denen er das Backing macht, sind Updates von Riddims, die er in diesen frühen Tagen aufgesaugt hat. Robbie Lyn, der neben Dunbar als Mitglied in der Taxi Gang spielt, bedient die Orgel und das Piano. Der Pianist Gladstone Anderson nahm bereits Mitte der 50er Jahre für Duke Reid auf, in Zeiten vor Ska und Rock Steady, und veröffentlichte später Soloalben mit „Gladdy Unlimited“, „It May Sound Silly“ und sogar als Sänger das Album „Gladstone Anderson Sings Songs For Today And Tomorrow“. Drei von Jamaikas größten Perkussionisten sind hier ebenfalls vertreten. Sticky Thompson ist Reggaefans weltweit gut bekannt durch sein Backing für Jimmy Cliff und Bob Marley, dennoch liegen seine persönlichen Wurzeln im Rocksteady. Scully Simms und Bongo Herman hatten beide bereits Hits während der aufregenden Rocksteady-Phase, und beide sind bis heute anerkannte Top-Session-Musiker. Obgleich nicht häufig eine Geige im Reggae verwendet wurde, war sie doch bei Rock Steady Hits von Justin Hinds & The Dominoes und anderen ein tragendes Element, die hier von Jon Williams gespielt wird. Eine Bläsersektion war während der Ska-Ära äußerst wichtig, die dem Rock Steady vorausging, und als das Tempo langsamer wurde, wurden Bläser subtiler eingesetzt und blieben auch später ein ausschlaggebendes Element. Der Trompeter Dave Madden und der Saxophonist Glen Dacosta z. B. spielten beide auf Dawn Penn’s Studio One Version von “No No No“, und sie wiederholen ihren Part hier. Der andere jamaikanische Top Saxophonist Deadley Headley und der Posaunist Bubbles Cameron ( die zusammen mit Madden und Dacosta ausgiebig mit Bob Marley & The Wailers tourten ) würzen diese Wiederentdeckung des graßartigen Rocksteady Sounds auf ihre Art. Harmoniegesänge waren im Rocksteady ein entscheidendes Element, und die Backgroundsänger/innen, die hier vertreten sind, umfassen Yeshema McGregor, Latoya Hall-Downer, Jacqueline Brooks, Bunny Brown und Prince Taf Thompson, ebenso wie Derrick Lara, Sylvanus Moore und Carlton Smith, die zusammen The Tamlins bilden, die mit keinem geringeren als Peter Tosh tourten. Für dieses außergewöhnliche Projekt passt es nur zu gut, dass man den großen Errol Brown als Tontechniker gewinnen konnte, der seine Karriere mit Rocksteady Aufnahmen für den legendären Duke Reid startete und sich weitere Ehren als einer der besten Tontechniker Jamaikas erwarb. Ska, Rocksteady, Reggae – Jamaika hat viel für die musikalische Landschaft beigesteuert, was ebenso für Dub, Dancehall und den DJ-Stil gilt. Immer innovativ, immer in Bewegung, die jamaikanische Musik nimmt sich selten die Zeit zurück zu blicken, umso mehr erhält dieses Projekt einen besonderen Platz, wenn Jamaikas Top-Sänger und –Musiker eine unbeschwertere und süßere Zeit zurück erobern, als wir alle jünger waren und von einem Hunger nach einem Musikstil getrieben wurden, der uns zum Tanzen brachte und die Sorgen des Alltags vertrieb.

–Chuck Foster

Chuck Foster schreibt die Reggae Update-Kolumne für das “Beat”-Magazin und ist der Autor von “Roots Rock Reggae: An Oral History of Reggae Music From Ska To Dancehall” (Billboard Books). Er ist der Moderator der Sendung Reggae Central auf KPFK-LA,die jederzeit über KPFK.ORG angehört werden kann.